Issa Kobayashi: Die letzten Tage meines Vaters

issaIssa, Kobayashi
DIE LETZTEN TAGE MEINES VATERS
Aus dem Japanischen übertragen sowie mit einer Einführung und Annotationen von G. S. Dombrady.
Das hier erstmals in deutscher Übertragung vorliegende „Sterbetagebuch“ des japanischen Dichters Issa (1763‒1827) zieht den europäischen Leser von Anfang in seinen Bann. Nach langen Jahren in der Fremde kehrt Issa in sein Elternhaus zurück, wo er, unter den Nachstellungen von Stiefmutter und Stiefbruder noch immer leidend, die letzten Tage seines so überaus geliebten Vaters erlebt. Das Tagebuch vollzieht in schnörkelloser, klarer und gleichwohl poetischer Sprache den durch die widrigen Familienverhältnisse gestörten Abschied von Vater und Sohn. Dabei werden, buddhistischem Denken zufolge, alle Atmosphären des Lebens ‒ Wetterumbrüche, Tierzeichen, Naturstadien ‒ zu gleichwertigen Momenten der inneren Teilnahme am Krankheitsverlauf, den der am Sterbelager sorgende, unermüdlich um das Leben des Vaters kämpfende Sohn mit seinen durch das drohende Ende des Pflegebedürftigen hellwach gewordenen Augen miterlebt. Die Abschiednahme von allem Lebendigen gerät in Issas zeitlos erscheinender Diktion zu einem Gleichnis für das sich dem Ende zuneigende Zeitalter. Die reiche Fülle des poetischen Materials wird dem Leser durch weit über hundert Anmerkungen, ein ausführliches Nachwort und eine detaillierte Bibliographie erschlossen, mit deren Hilfe der Japanologe G. S. Dombrady die ganze Breite der religiösen, literarischen und geographischen Anspielungen im Werk Issas aufschlüsselt. So wird die Lektüre für den mit asiatischem Denken nicht vertrauten Leser zu einem überraschenden, spektrenreichen Leseerlebnis von hohem poetischem Reiz, das ihn unmerklich in eine fremde Welt des Denkens und Fühlens einführt.
1985, 192 Seiten, Leinen
Allgemeine Reihe
ISBN 978-3-87162-003-4
15,00 EUR